Friesenpferde - Besonderheiten im Umgang und bei der Ausbildung

Wer einen Friesen erwirbt, hat ein ganz besonderes Pferd im Stall.
Es zeichnet sich durch seinen Sanftmut aus und zieht stets alle Blicke auf sich.

Durch die Faszination dieser Rasse bleibt es bei vielen die die Möglichkeit haben nicht bei einem Friesen.
So ging es auch mir selbst. Erschien es mir vor Jahren unmöglich einen Friesen zu besitzen, so sind es heute fünf eigene und fünf eingestellte dazu. Natürlich sind nicht alle gleich. Im Gegenteil! Und doch sind sie miteinander vergleichbar.

Was die Haltung und Fütterung angeht, sind sie wohl so zu behandeln wie jedes andere Pferd auch. Seit Jahren bewährt hat sich bei uns die Offenstallhaltung. Gefüttert wird Heu satt, im Sommer geht es auf die Weiden, Stroh aus der Einstreu, Hafer bei Bedarf und Mineralfutter.
Durch frische Luft und Bewegung sind die Pferde stets gesund. Es empfiehlt sich die Haltung in kleinen Gruppen. So haben die Pferde sie Möglichkeit gemeinsam zu fressen, zur Tränke zu gehen, sich gegenseitig zu pflegen, zu schlafen und zu spielen.
Das Stehen in einer Box sollte nichts desto trotz jedes Pferd kennen. Möchte ich zum Beispiel am nächsten Tag zu einer Zuchtschau, Messe o.Ä., bin ich froh, wenn ich nicht morgens ein regennasses, dreckiges Pferd vor mir habe.

Im Umgang sind Friesenpferde sehr freundlich und in der Regel dem Menschen gegenüber sehr aufgeschlossen. Sie sind äusserst neugierig und arbeitswillig. Das Erlernen von Zirkuslektionen fällt ihnen sehr leicht. Andersherum vergessen sie falsche Behandlungen und ungerechtes Verhalten natürlich umso weniger.
Ob Friesen wie so viele sagen Spätentwickler sind? Ich persönlich reite kein Pferd zu schnell und zu früh ein. Ganz langsam und mit viel Ruhe und Geduld wird das junge Pferd gearbeitet.
Eine Besonderheit beim Friesen ist die hohe Aufrichtung und der recht häufig vorkommende weiche Rücken. Gutes und häufiges Longieren des Jungpferdes halte ich für unumgehbar.
Vorerst sollte die Kommunikation abgestimmt werden. Das erarbeite ich mir im Roundpen und am Knotenhalfter mit Seil. Spielerisch bringe ich dem jungen Pferd Gehorsam bei. Spaziergänge ergänzen das Trainingsprogramm. Funktioniert das alles in Harmonie, ist es Zeit für die Arbeit an Kappzaum und Longe. Gymnastizierung und Bewegung nach vorwärts und abwärts ist angesagt.
Dazu braucht der Longenführer einige Erfahrung. Ich kann jedoch nur jeden dazu ermutigen sich einen fähigen Trainer zu suchen und einfach anzufangen. Diesen Schritt zur Arbeit am Kappzaum sollte man nicht übergehen, wenn man ein geschmeidiges Pferd, welches nicht wie beim Friesen so typisch, den Unterhals raus drückt, reiten möchte.
Selbstverständlich gewöhnt man auch den Friesen sachte an Sattel, Decken und Zaumzeug, obwohl er das meist problemlos hinnimmt. Auch das Gewöhnen an Geschirr und Zugstränge ist normalerweise kein Problem.

Wird mit dem Reiten begonnen verzichten wir gerne auch auf jegliche Hilfszügel und lassen das Pferd vorerst ohne Anlehnung sein Gleichgewicht unter dem Reiter selbst finden. Wichtig ist, dass es den Kopf und Hals fallen lässt! Erst dann und nach einer Weile sollte der Zügel vorsichtig aufgenommen werden. Ein häufiger Fehler ist es den Friesen zu schnell zu kurz zu nehmen und zusammen zu stellen. Er bietet diese Aufrichtung an und der Reiter gerät in Versuchung das Pferd so „schön“ zu reiten. Das sieht für den Laien oft toll und spektakulär aus. Für das Pferd ist es aber äusserst ungesund sich so zu bewegen. Es drückt den Rücken weg und tritt mit der Hinterhand oft zu kurz. Zudem wird so oft der Takt gestört. Es kommt zu Passverschiebungen. Soll heissen, die meisten Friesen werden von vorne nach hinten geritten und nicht umgekehrt. Oft wird dann noch laut applaudiert. Schulen Sie Ihr Auge!


Birthe Helbing, Gut Häven im Januar 2015